Unsere historischen Fahrzeuge

Der Verein vbl-historic betreut insgesamt vier Fahrzeuge, die früher für die Verkehrsbetriebe Luzern unterwegs gewesen sind. Kernstück der Sammlung bilden die beiden Autobusse sowie der Trolleybus Nr. 25 mit Baujahren zwischen 1948 und 1955, welche die Luzerner Verkehrsgeschichte in den 1950er- bis 1980er-Jahren abbilden. Weiter befindet sich der letzte für Luzern gebaute Zweiachstrolleybus mit Baujahr 1989 in der Flotte von vbl-historic. Dieses Fahrzeuge dieser, deutlich moderneren Fahrzeuggeneration verkehrten bis 2017 auf dem Trolleybusnetz in der Agglomeration Luzern.

Diese Fahrzeuge sind in betriebsfähigem Zustand  und kommen im Sommerhalbjahr regelmässig für öffentliche und private Extrafahrten in Luzern und Umgebung zum Einsatz.

Nicht einsatzbereit ist dagegen der Wagenkasten von Tramwagen Nr. 13 der aus dem Trambahn-Eröffnungsjahr 1899 stammt. Dieser Wagenkasten ist vor der Witterung geschützt eingelagert.

Untenstehend sind die einzelnen Fahrzeuge von vbl-historic kurz in Bild und Text portraitiert.

Autobusse

Twin Coach Nr. 76 - Baujahr 1948

Eine Art Flugzeugkabine auf Rädern, Hightech made in USA

Fahrzeugmangel und ein hoher Erneuerungsbedarf nach 1945 riefen nach zusätzlichem Rollmaterial beim Tram, Trolley- und Autobusbetrieb. Die langen Lieferfristen der einheimischen Industrie zwangen die VBL-Verantwortlichen zu einer Umschau im Ausland. Im weitgehend kriegszerstörten Europa war das nicht möglich, so dass man bei der amerikanischen Busindustrie Umschau hielt. Die Twin Coach Co. in Kent (Ohio) war in der Lage, innert drei Monaten die gewünschte Anzahl Busse zu liefern, Seeverfrachtung eingeschlossen. 1948 gelangten fünf Wagen nach Luzern (Betriebsnummern 70 bis 74) und 1953 übernahmen die VBL zwei weitere Twin Coaches etwas kleinerer Bauart von einer privaten Unternehmung in Zürich mit den Betriebsnummern 75 und 76. Von den Letztgenannten ist Wagen 76 erhalten geblieben und dank umfassender Revision und Instandhaltung einsatzfähig. Luzern ist die einzige Stadt der Schweiz, welche solche Bustypen im öffentlichen Verkehr eingesetzt hat. Technologisch bildeten sie ein Nebenprodukt aus der Luftfahrtindustrie, welche im Zuge des Eintritts der USA in den Zweiten Weltkrieg für Lufttransporte in grosser Zahl Leichtbaukarosserien baute. Einer der wenigen noch existierenden Twin Coach-Busse auf europäischem Boden, unsere Nr. 76, darf daher als «Flugzeugkabine auf Rädern» bezeichnet werden. Die Fahrzeuge dieser Serie verkehrten bis 1974/5 auf Überland- und Stadtlinien bei vbl.

Baujahr 1948
In Luzern seit 1953
Typ 38-S-DT, mit Dieselmotor von Hercules
Länge 9,55 m
Breite 2,45 m
Leistung 120 PS (88 kW)
Plätze 67 (davon 38 Sitzplätze)
Leergewicht 6,90 t

(Quelle: «Verkehrsbetriebe der Stadt Luzern – 100 Jahre Tram, Autobus und Trolleybus», Jubiläumsbuch von 1999, verf. Paul F. Schneeberger, Minirex-Verlag Luzern)

Wenn der Twin Coach heute unterwegs ist, so dürfen nur noch die 38 Sitzplätze belegt werden.

FBW/Hess Nr. 81 - Baujahr 1955

Der grösste seiner Art

In den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts wuchsen die Aussengemeinden und auch in der Stadt Luzern siedelten sich immer mehr Menschen an. Das machte neue Buslinien und grössere Fahrzeuge notwendig. Die VBL beschafften zwischen 1955 und 1957 insgesamt zehn Grossraumautobusse. Sie trugen die Betriebsnummern 77 bis 86 und gehörten vom Ausmass und ihrem Fassungsvermögen zu den grössten Zweiachsautobussen im öffentlichen Verkehr der Schweiz. Die Lieferfirmen Hess und Geser (Aufbau) und FBW (Antrieb) lieferten einen robusten Fahrzeugtyp ab, der in der Lage war, auch Personen-Anhänger mitzuführen. Die Busse fanden sowohl auf Überland- wie Stadtlinien ihr Einsatzgebiet. Die ersten Fahrzeuge wurden bereits 1977 ausrangiert, die letzten 1984. Wagen 81 blieb als einziger im Bestand erhalten.

Baujahr 1955
Typ B71U
Länge 12,50 m
Breite 2,50 m
Leistung 172 PS (127 kW)
Plätze 112 (davon 30 Sitzplätze)
Leergewicht 10,60 t

(Quelle: «Verkehrsbetriebe der Stadt Luzern – 100 Jahre Tram, Autobus und Trolleybus», Jubiläumsbuch von 1999, verf. Paul F. Schneeberger, Minirex-Verlag Luzern)

Wenn der FBW Nr. 81 heute unterwegs ist, so dürfen nur noch die 30 Sitzplätze belegt werden.

Trolleybusse

Trolleybus Nr. 25 - Baujahr 1949

Eine Art Flugzeugkabine auf Rädern, Hightech made in USA

Im Zuge der Rückkehr zum Normalbetrieb nach den Einschränkungen während des Zweiten Weltkriegs und den steigenden Passagierzahlen nach 1945, sahen sich die VBL auch beim Trolleybusbetrieb veranlasst, mehr Rollmaterial einzusetzen. Für die damals einzige Trolleybuslinie Allmend–Bahnhof–Halde standen sechs Busse zur Verfügung; 1946 wurden in einem ersten Schritt zwei Anhänger zur Kapazitätssteigerung beschafft. Die beabsichtigte Erweiterung des Netzes durch eine Linienverlängerung von der Halde bis ins Gebiet Seeburg kam nicht zustande. Die dazu und zur Befriedigung der steigenden Frequenzen bereits bestellten und 1949/50 abgelieferten zehn Zweiachstrolleybusse mit den Betriebsnummern 22 bis 31 kamen in der Folge auf der am 20. Mai 1951 eröffneten neuen Wesemlin-Linie zum Einsatz. Für die Steigungsstrecke, die mit dem bestehenden Allmend-Ast zur neuen Linie 5 Allmend–Bahnhof–Wesemlin (Zwyssigplatz) kombiniert wurde, waren die stärker motorisierten Neufahrzeuge prädestiniert.

Geliefert wurden die neuen Trolleybusse von den Firmen FBW (Franz Brozincevic Wetzikon, Chassis), FFA (Flug- und Fahrzeugwerke Altenrhein, Karosserie) sowie der MFO (Maschinenfabrik Oerlikon, elektrische Ausrüstung). Sie verkehrten auf allen – das heisst auch den später eröffneten – Linien: Nach der Umstellung von Tram- auf Trolleybusbetrieb 1959/61 kamen sie auf Einsatzkursen und zu Randzeiten auch nach Kriens, Emmenbrücke und Richtung Würzenbach in Einsatz. Ihren Dienst taten sie unspektakulär, treu und zuverlässig bis 1975, als sie durch modernere und grössere Fahrzeuge verdrängt wurden. Es verblieb Wagen Nr. 25, der auf den Winter 1972/73 aus dem Fahrgastverkehr ausschied und anschliessend als Dienstfahrzeug für den Fahrleitungsunterhalt diente: Als erster VBL-Trolleybus überhaupt wurde er mit einer speziellen Einrichtung zum Besprühen der Fahrleitung ausgestattet und so zwischen Herbst und Frühling während der Nacht für so genannte Raureif-Fahrten zum Schutz der Fahrleitung vor Vereisung eingesetzt. Seit 2012 befindet sich der Wagen im Bestand von vbl-historic und ist in den Jahren 2015/16 im Hinblick auf das 75-Jahr-Jubiläum des Trolleybusnetzes als einsatzfähiger Oldtimer aufgearbeitet worden.

Baujahr 1949
Inbetriebnahme Januar 1950
Typ FBW/FFA/MFO 1MHe
Länge 10,91 m
Breite 2,40 m
Leistung 140 PS (103 kW)
Plätze 80 (davon 26 Sitzplätze)
Leergewicht 8,60 t

(Quelle: «Verkehrsbetriebe der Stadt Luzern – 100 Jahre Tram, Autobus und Trolleybus», Jubiläumsbuch von 1999, verf. Paul F. Schneeberger, Minirex-Verlag Luzern)

Wenn «Nummer 25»  heute unterwegs ist, so dürfen nur noch die 26 Sitzplätze belegt werden.

NAW-Trolleybus Nr. 280 - Baujahr 1989

Der letzte Zweiachs-Trolleybus

Nicht weniger als 50 Trolleybusse, davon 20 Gelenkwagen, verjüngten in den Jahren 1987-1990 die Luzerner Trolleybusflotte deutlich. Gebaut wurden sie in der Schweiz durch die Nutzfahrzeuge Arbon-Wetzikon (NAW), die Carrosserie Hess, Ramseier&Jenzer sowie die Siemens Albis AG. Die Fahrzeuge wiesen für die damalige Zeit einige technische Highlights wie den Chopperantrieb, der die Rückspeisung von Bremsenergie (Rekuperation) erlaubte, und eine Fahrgastklimaanlage auf. Auch in Sachen Sitzkomfort und Fahrgastinformation wurde nicht gespart, schliesslich galt das Motto, dass alle Passagiere nur noch erster Klasse fahren sollen. Gleichzeitig war es das letzte Mal, dass in der Schweiz noch Zweiachstrolleybusse beschafft wurden – später wurden nur noch grössere Fahrzeuge in Betrieb genommen.

Die nächsten 30 Jahre prägten die NAW-Trolleybusse das Stadtbild auf allen Trolleybuslinien, wobei für die Zweiachser ab 1998 Anhänger beschafft wurden, um die Kapazität erst auf der Linie 1, später auch auf den Linie 6/8 zu erhöhen. Der erhaltene Trolleybus Nr. 280 wurde allerdings nicht für den Anhängerbetrieb ertüchtig, sondern blieb vorerst auf den damaligen Linien 4, 5 und 7 im Einsatz.

Als der Trolleybus Nr. 25 Anfang der Nullerjahre zunehmend Probleme bei den Reiffahrten in Winternächten hatte, wurde der Wagen Nr. 280 für diese Zwecke ausgerüstet. Dafür wurde ein Tank mit Frostschutzmittel im hinteren Teil des Fahrgastraums eingebaut, mit dem über Düsen an den Stromabnehmern die Fahrleitung enteist werden konnte. Bis 2007 wurde Nr. 280 jeweils im Sommerhalbjahr ohne entsprechende Ausrüstung noch im Linienbetrieb eingesetzt, anschliessend kam er bis 2014 nur mehr als Reifwagen zum Einsatz, wobei er die charakteristische dunkelblaue Orginal-Lackierung mit weissem Zierstreifen behielt.

Baujahr 1989
Typ NAW/Hess/Siemens BT-25
Länge 11,70 m
Breite 2,50 m
Leistung 210 PS (155 kW)
Plätze 97 (davon 25 Sitzplätze)
Leergewicht 11,70 t

(Quelle: «1941–2016: 75 Jahre Trolleybus in Luzern», Jubiläumsbuch von 2016, verf. Sandro Flückiger, Roman Zai)

Trambahn

Tram-Wagenkasten Nr. 13 - Baujahr 1899

Ein Stück Trambahn-Erinnerung

Leider ist kein Tramwagen vollständig erhalten in Luzern verblieben. Vom Motorwagen Nr. 13 konnte der Wagenkasten ohne Fahrgestell, technische Einrichtungen und Stromabnehmer vor dem Abbruch bewahrt werden. Dieses Fahrzeug bildete Teil der ersten Serie von Tramwagen, welche 1899 bis 1900 für die Betriebseröffnung beschafft worden war. Geliefert wurden diese Wagen von den Firmen Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) und Schweizerische Industrie-Gesellschaft Neuhausen (SIG). Sie besassen anfänglich offene Plattformen, Wagenführer und Billeteur versahen ihren Dienst im Freien! Mit Rücksicht auf die fremden Feriengäste im Sommer besassen die Wagen beidseitig zwei grosse Fenster, was einen Panoramablick ermöglichen sollte. Die Wagen wurden im Laufe der Zeit mehrmals umgebaut, vereinzelt erhielten sie stärkere Motoren, in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden geschlossene Plattformen gebaut und das Personal vor den Unbillen des Wetters geschützt. Die meisten Wagen dienten bis zur Betriebseinstellung 1959 (Linie 2) und 1961 (Linie 1) zuletzt als Reserve für die Hauptverkehrszeiten. Wagen 13 gelangte im Dezember 1959 als privates Gartenhäuschen nach Stalden im Kanton Obwalden, später nach Sarnen auf einen Kinderspielplatz. Im Dezember 1999 nahmen die VBL die baulichen Reste (Wagenkasten) zurück nach Luzern.

Baujahr 1899
Länge 7,74 m
Achsstand 1,80 m
Leistung 41 PS (30 kW)
Plätze 30
Leergewicht 7,20 t

(Quelle: «Verkehrsbetriebe der Stadt Luzern – 100 Jahre Tram, Autobus und Trolleybus», Jubiläumsbuch von 1999, verf. Paul F. Schneeberger, Minirex-Verlag Luzern)

ehemalige Fahrzeuge

Mit Gründung des Vereins vbl-historic im Jahr 2012 wurden alle historischen Fahrzeuge der Verkehrsbetriebe Luzern in die Flotte des Vereins integriert. Während die betriebsfähigen Autobusse und ab 2016 der Trolleybus Nr. 25 für Publikumsfahrten eingesetzt werden können und so in und um Luzern für historische Momente sorgen, war dies bei anderen Fahrzeugen auf Grund ihres Zustands beziehungsweise ihrer Bauart nie möglich.

Im Jahr 2023 wurde deshalb entschieden, zwei der Fahrzeuge, die bei vbl-historic nicht historisch aufgearbeitet und in angemessenem Masse präsentiert werden könnten, an Vereine abzugeben, die sie historisch erhalten möchten.

Fahrleitungsturmwagen - Baujahr 1958

Dienstfahrzeug mit dem Kosenamen Bäri

Fahrleitungsanlagen benötigen Unterhalt und dazu sind sowohl im Schienen- wie im Strassenverkehr Spezialfahrzeuge notwendig.

Bei vbl stand ab 1958 ein zweiter Fahrleitungswagen, ein so genannter «Turmwagen», zur Verfügung. Ausnahmsweise lieferte die Firma Berna in Olten dieses Dienstfahrzeug. Es war wie alle Dienstwagen grau lackiert. Der Turmwagen von 1958 trug beim Fahrleitungspersonal bald einmal den Beinamen «Bäri».

Mit der Zeit lösten modernere und grössere Turmwagen den Berna schrittweise ab. Zuletzt stand er nur noch für Arbeiten auf dem Werkareal von vbl im Einsatz.

Der Turmwagen wurde im Oktober 2023 an das Saurermuseum in Arbon (TG) abgegeben, wo er restauriert und anschliessend ausgestellt werden soll.

Saurer-Trolleybus Nr. 242 - Baujahr 1963

Charakteristischer Grossraumtrolleybus als Tramablösung

Trolleybus Nr. 242 bei einem seiner ersten Einsätze auf der Luzerner Allmend als Zubringer zum Eidgenössischen Turnfest im August 1963 (Sammlung Mario Gavazzi)

Zu den grössten Fahrzeugbestellungen in der VBL-Geschichte gehörte die Zeit der Umstellung vom Tram auf Trolleybus zwischen 1959 und 1961. Nicht weniger als 37 Grossraumtrolleybusse mussten die über 60 Tramwagen ablösen. 1963 folgten im Zuge der Angebotserweiterung weitere sechs Wagen dieses Typs nach Luzern, so dass die Gesamtserie 42 Einheiten umfasste. Als Lieferanten zeichneten Firmen wie Saurer/Schindler Waggons Pratteln/Maschinenfabrik Oerlikon MFO-BBC verantwortlich.

Diese Wagen gehörten mit ihrem Fassungsvermögen zu den grössten Zweiachstrolleybussen des Landes. Sie bildeten viele Jahre das Rückgrat des Betriebs und wurden auf allen Strecken eingesetzt. Die ersten Fahrzeuge wurden 1978 ausrangiert, die letzten 1989.

In Luzern blieb Wagen 242, der letzte der Serie, erhalten. Für die 50-Jahr-Feier mit Ausstellung im Verkehrshaus wurde er teilweise umgebaut und weilte ein paar Jahre im Sommerhalbjahr auf dem Museumsgelände.

Anschliessend war das Fahrzeug erst im VBL-Depot Weinbergli, später im Aussenlager Rain eingelagert, wobei auf Grund der Museumsumbauten eine Wiederinbetriebname nicht möglich ist.

Der Trolleybus wurde im Oktober 2023 an den Verein Rétrobus Léman abgegeben, wo er langfristig erhalten werden soll.