Ein Stück Tram ist zurück auf Luzerns Strassen
Bereits ab dem ersten Betriebstag der «Trambahn Luzern» am 8. Dezember 1899 verkehrten Trams vom Bahnhof entlang der Reuss in Richtung Kreuzstutz. Die Verlängerung bis nach Emmenbrücke folgte schliesslich rund anderthalb Jahre später. Für die nächsten 25 Jahre ratterten die zweiachsigen Tramwagen über die eingleisige Strecke vom Bahnhof via Jesuitenkirche und die Pfistergasse zum Kasernenplatz, wo eine Ausweichstelle zum Kreuzen der entgegenkommenden Tramfahrten bestand. Das stetig wachsende Fahrgastaufkommen erforderte schon ab den 1910er-Jahren einen Ausbau der doppelspurigen Abschnitte, damit 6- und teilweise gar 3-Minuten-Takte mit genügend Beförderungskapazität geboten werden konnten. Anfang Februar 1927 wurde deshalb die neue zweigleisige Streckenführung via Pilatusplatz und Hirschengraben zum Kasernenplatz in Betrieb genommen.
Fortan endete das Gleis auf der Bahnhofstrasse am Theaterplatz und wurde zur Abstellung überzähliger Trams genutzt. Einzelne Fahrgastfahrten gab es aber weiterhin: Auf Bestellung der Theaterdirektion wurden jeweils nach Vorführungen im Stadttheater direkte, spätabendliche Tramkurse nach Kriens und Emmenbrücke angeboten. Als schliesslich 1959 die Linie 2 auf Trolleybus umgestellt wurde, geschah mit dem Gleis auf der Bahnhofstrasse dasselbe wie mit vielen der Tramgleisen, die bis im Frühjahr 1962 fast vollständig von der Strassenoberfläche verschwanden. Es wurde nicht herausgerissen, sondern die Rillenschienen wurden mit «Spezialzement» verfüllt und das gesamte Gleis anschliessend mit Belag überdeckt.
Über die Jahrzehnte bahnte sich das überdeckte Gleis langsam aber sicher wieder einen Weg durch den alternden Asphalt und so waren einzelne Stücke des eisernen Erbes Luzerner Verkehrsgeschichte bereits vor der Sanierung und Neugestaltung der Bahnhofstrasse wieder eindeutig als Gleisreste auf der Fahrbahn erkennbar. Erst mit dem Beginn der Bauarbeiten für die Neugestaltung der Bahnhofstrasse ab Oktober 2024 mussten die Schienen von ihrem längst angestammten Platz weichen.
Die recht gut erhaltenen Rillenschienen konnten so entfernt werden, dass sie erhalten bleiben konnten und im April 2026, kurz vor Vollendung der neuen Bahnhofstrasse fanden vor den Brückenköpfen des Rathausstegs und der Kappelbrücke zwei kurze Stücke originales Tramgleis ihren Weg zurück an ihre angestammte Lage auf der reusszugewandten Seite der Bahnhofstrasse.
Zum Projektabschluss reichte das gerettete Schienenmaterial dann sogar noch um als ein Stück Souvenier-Schiene an die beteiligten Unternehmen geliefert zu werden. Stilecht geliefert mit einer zeitgenössischen Postkarte der Bahnhofstrasse aus der Tramanfangszeit.